Illegale Beschäftigung in Landecker Hotel wirft Verdacht auf Arbeitsausbeutung auf

04.05.2026


Ein Hotelbetrieb im Bezirk Landeck steht im Zentrum umfangreicher Ermittlungen wegen illegaler Beschäftigung und des Verdachts auf Menschenhandel. Auslöser war eine anonyme Anzeige, die auf die unerlaubte Beschäftigung mehrerer brasilianischer Staatsangehöriger in dem Haus hinwies. Die Finanzpolizei im Amt für Betrugsbekämpfung leitete daraufhin Ende Februar eine umfassende Beschäftigungskontrolle ein, an der auch die Landespolizeidirektion Tirol beteiligt war.

Bereits zu Beginn der Kontrolle zeigte sich die Brisanz des Einsatzes: Zwei Personen versuchten, sich dem Zugriff der Beamtinnen und Beamten zu entziehen und versteckten sich in einer Toilette sowie in einem Waschraum. Insgesamt traf die Finanzpolizei acht Arbeiterinnen und Arbeiter an, die nicht zur Sozialversicherung angemeldet waren. Nur ein Dienstnehmer im Betrieb war ordnungsgemäß registriert, insgesamt hatte der Hotelbetreiber nach Angaben der Behörden lediglich vier Beschäftigte zur Sozialversicherung gemeldet.

Da es sich bei den aufgegriffenen Arbeitskräften ausschließlich um brasilianische Staatsangehörige handelte, wurde die fremden- und grenzpolizeiliche Einheit PUMA der Landespolizeidirektion Tirol in eine Intensivkontrolle eingebunden. Die Überprüfung von Reisedokumenten und der nach dem Ausländerbeschäftigungsgesetz erforderlichen Bewilligungen ergab, dass die nötigen Papiere vollständig fehlten. Die acht Personen wurden daraufhin wegen illegalen Aufenthalts im Bundesgebiet festgenommen. Gegen den Arbeitgeber wurden mehrere Anzeigen erstattet, zudem sollen Geldstrafen von rund 40.000 Euro im Raum stehen; die Behörden prüfen außerdem den Verdacht auf Unterentlohnung.

Im Zuge der Befragungen durch das Landeskriminalamt Tirol gaben die Betroffenen zunächst an, sich als Urlauber im Hotel aufzuhalten. Kurz darauf korrigierten sie diese Darstellung und erklärten, bereits in Brasilien gezielt für eine Tätigkeit in dem Betrieb angeworben und vom Hotelbetreiber illegal beschäftigt worden zu sein. Damit verdichtete sich für die Ermittler neben dem Verdacht auf gewerbsmäßige Schwarzarbeit auch jener, dass es sich um Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung handeln könnte. Das Landeskriminalamt, Ermittlungsbereich Menschenhandel, wurde eingeschaltet; die Untersuchungen zu den konkreten Abläufen der Anwerbung und Beschäftigung dauern an.

Semperit-Übernahmeofferte: Vorstand und Aufsichtsrat skizzieren Pro und Contra

04.05.2026


Die Semperit AG Holding hat ihre mit Spannung erwartete Stellungnahme zum freiwilligen Übernahmeangebot der B&C Holding Österreich GmbH vorgelegt – ohne eine klare Empfehlung für oder gegen die Annahme auszusprechen. In der am 4. Mai 2026 veröffentlichten Äußerung arbeitet der Vorstand die aus seiner Sicht wesentlichen Argumente beider Seiten heraus und beschreibt das Papier ausdrücklich als Orientierungshilfe für die Aktionärinnen und Aktionäre. Der Aufsichtsrat schließt sich der Analyse an und verzichtet ebenfalls auf eine eigene Annahme- oder Ablehnungsempfehlung.

Kern der Offerte ist ein Angebotspreis von 15,00 Euro je Aktie. Damit verbindet sich laut Semperit eine Prämie von 25,2% auf den unbeeinflussten Schlusskurs vom 17. März 2026, also den Kurs vor Bekanntgabe des Angebots. Der Vorstand verweist zudem darauf, dass der angebotene Preis über den historischen Durchschnittskursen der Semperit-Aktie liegt und Investoren einen Ausstieg ermöglicht, der nicht von der jeweils gegebenen Marktliquidität abhängt – ein Argument vor allem für Anteilseigner mit kurzfristigem Liquiditätsbedarf oder begrenztem Anlagehorizont.

Dem stellt das Management deutliche Vorbehalte gegenüber. So liegt der Angebotspreis nach der veröffentlichten Stellungnahme unter dem Buchwert von 20,20 Euro je Aktie. Außerdem verweisen Vorstand und Aufsichtsrat auf aktuelle Analystenschätzungen von bis zu 22,00 Euro je Aktie. Aus ihrer Sicht bildet die Offerte damit nicht das volle mittel- bis langfristige Wertsteigerungspotenzial des Unternehmens ab. Wer das Angebot annimmt, verzichtet zugleich auf mögliche zukünftige Ertragschancen, falls sich Geschäft und Marktumfeld günstiger entwickeln sollten.

Ob die Annahme wirtschaftlich sinnvoll ist, hänge daher maßgeblich von der individuellen Situation der Anleger ab, betont Semperit. Eine Rolle spielten insbesondere der persönliche Anschaffungspreis, der geplante Anlagehorizont, der eigene Liquiditätsbedarf und steuerliche Überlegungen, ebenso wie Erwartungen an die weitere Entwicklung des Unternehmens und der Märkte. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionärinnen und Aktionären, ihre persönlichen Verhältnisse sorgfältig zu prüfen und bei Bedarf fachkundigen Rat einzuholen. Die vollständigen Äußerungen zum Angebot sind auf der Semperit-Website im Investor-Relations-Bereich abrufbar; der nächste wichtige Termin im Finanzkalender ist die Quartalsmitteilung am 13. Mai 2026.