Von der Personalvertretung zum Justizfall: Neue Beweise befeuern Causa Ott

30.04.2026


Ein großflächiges Datenleck im österreichischen Innenministerium beschäftigt erneut Politik und Justiz. Das Ressort hat eine mittlerweile pensionierte Mitarbeiterin angezeigt, die ein elektronisches Gesamtpersonalverzeichnis mit Daten von 36.368 Bediensteten weitergegeben haben soll. Der Datensatz war beim ehemaligen FPÖ-Abgeordneten Hans-Jörg Jenewein sichergestellt worden. Parallel dazu laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Verfassungsschützer Egisto Ott, der in den Fokus der Behörden gerückt ist.

Auslöser der nun intensivierten Untersuchungen waren Erkenntnisse der im Innenministerium eingesetzten Sonderarbeitsgruppe „AG Fama“. Diese stellte fest, dass die frühere Mitarbeiterin, eine Personalvertreterin, die sensiblen Personaldaten selbst angefordert hatte. Auf einem USB-Stick bei Jenewein fanden Ermittler schließlich das vollständige Personalverzeichnis. Sicherheitskreise befürchten, dass die Datei beim russischen Geheimdienst gelandet sein könnte. Ein Beweis dafür liegt den Behörden jedoch nicht vor; der genaue Weg der Daten bleibt ungeklärt.

Frühere Verfahren gegen die pensionierte Mitarbeiterin und Jenewein waren eingestellt worden. Gegen die Frau war wegen Verrats von Amtsgeheimnissen ermittelt worden, gegen den Ex-Politiker wegen Datenverarbeitung in Gewinn- und Schädigungsabsicht, nachdem er die Datei über einen Messenger-Dienst an einen FPÖ-Mitarbeiter weitergeleitet hatte. Die Staatsanwaltschaft Wien begründete die Einstellung mit Beweisschwierigkeiten; im Fall Jenewein kam Verjährung hinzu. Neue Beweismittel veranlassten die Justiz nun, die Ermittlungen mit einem anderen Schwerpunkt wieder aufzunehmen.

Im Zentrum steht dabei Egisto Ott, ein früherer Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Datensatz über Ott zu Jenewein gelangt sein könnte. Laut Ermittlungsunterlagen soll Ott ein Treffen mit der Ministeriumsmitarbeiterin vereinbart haben, nachdem diese das elektronische Gesamtpersonalverzeichnis erhalten hatte. Das Bundeskriminalamt stufte die Frau in einem Bericht als „relevante Informationsquelle für Egisto Ott“ ein. Ob und in welcher Form tatsächlich Daten über Ott weitergegeben wurden und welche Rolle mögliche ausländische Geheimdienste spielten, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Graz stärkt Life-Sciences-Standort mit CORI-Institut unter Führung von Superti-Furga

30.04.2026


Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) setzt beim Aufbau ihres neuen CORI-Instituts in Graz auf einen der profiliertesten Biomediziner Europas. Giulio Superti-Furga, langjähriger Direktor des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der ÖAW in Wien, wurde zum wissenschaftlichen Gründungsdirektor des Zentrums für Metabolismusforschung bestellt. Das Institut entsteht in einer Partnerschaft der Universität Graz, der Medizinischen Universität Graz und der Technischen Universität Graz und soll sich zu einem führenden europäischen Standort für die Erforschung von Stoffwechselprozessen entwickeln.

Das CORI-Institut – benannt nach den Nobelpreisträgern Gerty und Carl Cori, Ikonen der Stoffwechselforschung – konzentriert sich auf die systematische, experimentelle und molekularbiologische Analyse von Stoffwechselabläufen in Zellen. Diese Prozesse sollen mithilfe mathematischer Methoden modelliert werden, um gezielt in sie eingreifen und sie verändern zu können. Ziel ist es, neue therapeutische und technologische Lösungen insbesondere für Stoffwechselerkrankungen zu entwickeln und damit zentrale Herausforderungen der menschlichen Gesundheit anzugehen.

Superti-Furga bringt für den Aufbau des Grazer Instituts umfangreiche Leitungserfahrung mit. Der 1962 in Italien geborene Molekularbiologe war zwei Jahrzehnte Chef des CeMM in Wien und formte das Institut mit rund 300 Mitarbeitenden zu einem der renommiertesten Forschungszentren des Landes an der Schnittstelle von Biologie, Medizin und Datenwissenschaften. Er ist vierfacher ERC-Preisträger, Professor für Medizinische Systembiologie an der Medizinischen Universität Wien, Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien und Mitbegründer von fünf Biotechnologieunternehmen.

Zuletzt war Superti-Furga zudem am Aufbau eines Forschungszentrums der Ri.MED Foundation in Palermo beziehungsweise eines italienischen Zentrums für Biomedizinische Forschung und Biotechnologie auf Sizilien beteiligt. Diese Funktion hat er inzwischen zurückgelegt, um sich nun vollständig der Gründung und dem strategischen Aufbau des CORI-Instituts in Graz zu widmen. In räumlicher Nähe zu Universität Graz, Med-Uni und TU Graz soll dort ein interdisziplinäres Zentrum entstehen, das Metabolismusforschung mit datengetriebener Analyse verbindet und Österreichs Position in den Life Sciences weiter stärkt.