Volksanwalt warnt vor „Drehtürpsychiatrie“ in Österreichs Spitälern

12.03.2026


In Österreich wird rund ein Drittel der Patientinnen und Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern und Abteilungen zur falschen Zeit entlassen. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Prüfschwerpunkt der Volksanwaltschaft, die das Entlassungsmanagement in der psychiatrischen Versorgung unter die Lupe genommen hat. Demnach müssen viele Betroffene länger als medizinisch notwendig im Spital bleiben, weil es an passenden Angeboten für die anschließende Betreuung mangelt – etwa an spezialisierten Wohngruppen.

Auslöser für die Untersuchung war die Beobachtung, dass Patientinnen und Patienten in psychiatrischen Spitälern häufig nur für kurze stationäre Behandlungen aufgenommen, rasch wieder entlassen und nach relativ kurzer Zeit erneut eingewiesen werden. Volksanwalt Bernhard Achitz (SPÖ) sprach bei der Präsentation der Ergebnisse von einer „sogenannten Drehtürpsychiatrie“ und leitete daraus den Prüfauftrag ab: Wenn Menschen in schneller Folge ein- und wieder austreten, müsse „etwas falsch laufen“.

Im Rahmen des Schwerpunkts besuchten die Volksanwaltschaft und Fachleute in ihren Kommissionen in den Jahren 2024 und 2025 unangekündigt 56 stationäre psychiatrische Abteilungen in ganz Österreich. Darunter waren 13 Abteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, eine Transitionspsychiatrie für den Übergang in die Erwachsenenpsychiatrie, 36 Erwachsenenpsychiatrien sowie sechs gerontopsychiatrische Abteilungen für ältere Menschen. Die Erhebungskriterien wurden gemeinsam mit dem Menschenrechtsbeirat und dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) entwickelt.

Untersucht wurden unter anderem die Struktur und Effizienz der Dokumentations- und Informationsflüsse in den Kliniken. Dazu wurden sowohl das Personal und die Leitungsteams als auch die Patientinnen und Patienten befragt, letztere insbesondere zu ihrer Zufriedenheit mit der Behandlung und dem Entlassungsprozess. Die Erkenntnisse der Volksanwaltschaft deuten auf strukturelle Defizite im Übergang von der stationären Behandlung in die nachgelagerte Versorgung hin, die zu unnötig langen Aufenthalten und zu häufigen Wiederaufnahmen beitragen.

Herausforderin aus Wien: Königsberger-Ludwig stellt Hergovich-SPÖ in NÖ infrage

13.04.2026


In der niederösterreichischen SPÖ spitzt sich der innerparteiliche Machtkampf zu. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig will beim Landesparteitag am 30. Mai in Vösendorf gegen den amtierenden Landesparteichef und Landesrat Sven Hergovich antreten. Ihre Bewerbung um den Vorsitz, die in einem Schreiben an Mitglieder und Landesparteivorstand angekündigt wurde, kommt für Teile der Landespartei überraschend und macht eine Kampfabstimmung wahrscheinlich.

Königsberger-Ludwig, enge Mitstreiterin im Regierungsteam von Bundesparteichef und Vizekanzler Andreas Babler, begründet ihren Schritt mit dem Ziel, die Sozialdemokratie in Niederösterreich „zu stabilisieren“. In Gesprächen sei deutlich geworden, dass es in Teilen der Partei einen Wunsch nach personellen Veränderungen gebe, heißt es in ihrem Schreiben. Sie wolle die SPÖ Niederösterreich „in eine ruhige, geschlossene und lösungsorientierte Richtung weiterentwickeln“ und ein „starkes Personalpaket für die Zukunft“ schnüren – ein Angebot, das die größtmögliche Zustimmung in der Partei finden und auf die turnusmäßig für Anfang 2028 geplante Landtagswahl zielen soll.

Hergovich, seit dem Debakel der Sozialdemokraten bei der Landtagswahl Anfang 2023 an der Parteispitze in Niederösterreich, wurde im Juni 2023 mit 96,2 Prozent Zustimmung offiziell zum Landesparteivorsitzenden gewählt. Der 37-Jährige gilt als Kritiker Bablers und kandidierte zuletzt nicht mehr für die Bundesgremien der SPÖ, um nach eigenem Bekunden den Fokus vollständig auf das Bundesland zu richten. Innerhalb der Landes-SPÖ ist die Stimmung jedoch seit Monaten angespannt; aus den Reihen der Partei werden ihm laut Berichten zu viel persönliche Karriereorientierung und zu wenig Arbeit für die Organisation vorgeworfen.

Die Personalentscheidung bekommt zusätzliche Brisanz durch die jüngsten Karriereschritte beider Protagonisten. Während Hergovich bei den Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS zeitweise als Ministerkandidat gehandelt wurde, ohne zum Zug zu kommen, wechselte seine damalige Landesregierungskollegin Königsberger-Ludwig in die Bundespolitik und wurde im März 2025 Gesundheitsstaatssekretärin. Die 60-Jährige, langjährige Nationalratsabgeordnete, frühere Landesrätin und ehemalige Bezirksparteichefin der SPÖ Amstetten, positioniert sich nun als Sammlerin für jene Kräfte, die in der Landespartei einen personellen Neuanfang suchen. Wie viele Kandidaturen beim Landesparteitag tatsächlich zustande kommen, ist laut Landesgeschäftsführer Wolfgang Zwander noch offen – fest steht aber bereits, dass sich Hergovich der Wiederwahl stellen wird.