NS-Zeit in Alltagsobjekten: Online-Sammlung des Graz Museum zeigt 350 Funde aus Liebenau

27.03.2026


Im Graz Museum rückt eine neue Ausstellung das ehemalige Zwangsarbeiterlager Liebenau ins Zentrum – und damit eine der dunkelsten Episoden der Stadtgeschichte zwischen 1940 und 1945. Unter dem Titel „Lager Liebenau“ beziehungsweise „Ausgraben und erinnern“ werden im Gotischen Saal rund 30 archäologische Objekte gezeigt, die bei Grabungen auf dem früheren Lagerareal entdeckt wurden. Bis zu 5.000 Personen waren dort während der NS-Zeit interniert. Die Funde sollen nicht nur dokumentieren, sondern Fragen stellen und Besucherinnen und Besucher dazu anregen, sich mit der jüngeren Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Kuratiert wird die Schau von der Leiterin der Stadtarchäologie Graz, Susanne Lamm, und Annette Rainer vom Graz Museum. Viele der Stücke waren buchstäblich im Boden verschwunden und wurden durch systematische Ausgrabungen dem Vergessen entrissen. Ergänzend zur kompakten Präsentation vor Ort stellt das Museum rund 350 weitere Objekte in einer Online-Sammlung zur Verfügung. Damit erhält die Öffentlichkeit Zugriff auf ein deutlich breiteres Fundspektrum, das von eindeutig zuordenbaren Alltagsgegenständen bis zu rätselhaften Fragmenten reicht.

Zu den eindrücklichsten Exponaten zählt ein fragmentarisch erhaltener Kamm. Er lässt sich einer Zwangsarbeiterin zuordnen, deren Name in das Material geritzt wurde: Vlasta Siroka aus dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren. Lagerakten zufolge wurde sie 1944 zur Arbeit als Hilfsarbeiterin nach Graz gebracht und in Baracke 168 untergebracht – 183 Quadratmeter Fläche, geteilt mit 196 weiteren Menschen. Ein anderes Objekt, ein verbeultes Metallgefäß mit deutlichen Gebrauchsspuren und Monogramm, verweist ebenfalls auf den Lageralltag, bleibt aber ohne konkrete biografische Zuordnung.

Das Lager Liebenau diente in der NS-Zeit als Unterbringungsort für Umsiedlerinnen und Zwangsarbeiterinnen und war Schauplatz von Verbrechen des Nationalsozialismus. Einige der Funde stammen unmittelbar aus dieser Phase, andere datieren aus der Zeit davor oder danach und zeichnen ein erweitertes Bild der Nutzung des Areals. Das Graz Museum verankert die Schau in einem Jahresprogramm, das Erinnerungskultur, die Bewahrung von Kulturerbe sowie die Auseinandersetzung mit Stadt und Demokratie in den Mittelpunkt stellt. Die Kuratorinnen hoffen zudem auf Hinweise aus der Bevölkerung, um offene Fragen zu einzelnen Objekten klären und damit weitere Facetten der Lagergeschichte sichtbar machen zu können.

Autobahn als Gefahrenzone: Wie KI das Arbeiten unter Verkehr sicherer machen soll

15.06.2026


Asfinag und ÖAMTC kombinieren emotionale Bewusstseinsbildung mit neuer Technologie, um den „Arbeitsplatz Straße“ sicherer zu machen. Unter dem Slogan „Danke, dass du auf meine Mama/meinen Papa aufpasst“ starten die Organisationen eine gemeinsame Kampagne, bei der die Kinder der Mitarbeitenden als Botschafter auftreten. Hintergrund sind mehrere schwere Unglücke mit Autobahn-Personal: Im Jahr 2025 war Asfinag-Personal in sechs Unfälle auf Autobahnen involviert, einer davon endete tödlich. Parallel zu der Kampagne wird in Österreich ein KI-basiertes Warnsystem im Live-Betrieb getestet.

Die Dimension des Problems ist erheblich. Laut Daten von Statistik Austria und ÖAMTC kam es 2025 zu insgesamt 2.137 Unfällen mit Personenschaden auf Autobahnen und Schnellstraßen, 45 davon verliefen tödlich. Als häufigste Ursachen gelten Unachtsamkeit und Ablenkung. Eine IFES-Umfrage zeigt, wie verbreitet riskantes Verhalten ist: Ein Drittel der Befragten gibt an, während der Fahrt Handy-Nachrichten zu lesen oder zu schreiben, die Hälfte bedient Navi oder Radio. Unter den unter 30-Jährigen räumen 60 Prozent ein, schon einmal während der Fahrt ein Video aufgenommen zu haben.

Das neue KI-System zielt darauf ab, die Arbeit von Straßenkolonnen unter fließendem Verkehr besser abzusichern. Auf Sicherungsfahrzeugen oder Warnleitanhängern montierte Kameras erfassen Fahrzeuge in rund 300 Metern Entfernung. Die Künstliche Intelligenz analysiert daraufhin den Fahrweg der herannahenden Fahrzeuge und löst bei Kollisionsgefahr Warnungen aus: Die Person am Steuer wird mit einem Hupsignal aufmerksam gemacht, während Straßenarbeiter ein kleines Gerät am Körper tragen, das im Gefahrenfall vibriert. Diese wenigen zusätzlichen Sekunden sollen reichen, um sich aus der Gefahrenzone zurückzuziehen.

Derzeit sind fünf Kameras im Einsatz, weitere 21 Kollisionswarner werden angeschafft. Der Testbetrieb läuft bis Jahresende, anschließend soll über eine flächendeckende Einführung entschieden werden. Auch der ÖAMTC erprobt die Technologie im praktischen Alltag: Elf Fahrzeuge des Clubs wurden mit dem System ausgerüstet, sie werden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland getestet. Die Kombination aus KI-gestützter Früherkennung und einer breit angelegten Kampagne gegen Ablenkung am Steuer soll das Risiko für Verkehrspersonal senken – und zugleich Fahrerinnen und Fahrer stärker für die Konsequenzen ihres Verhaltens sensibilisieren.