
Rund zehn Handelstage nach dem Kriegsausbruch im Iran bleibt der deutsche Aktienmarkt im Bann der Energiepreise und der angespannten Lage im Nahen Osten. Der Dax pendelt zwischen Verlusten und Erholungsphasen, nachdem der Leitindex zu Wochenbeginn auf den tiefsten Stand seit Mai gefallen war. Seit Kriegsbeginn summierten sich die Rückgänge zeitweise auf fast acht Prozent, ehe eine Gegenbewegung die Verluste wieder in Richtung sechs Prozent drückte. Auch der EuroStoxx 50 und der MDax gaben im Wochenverlauf nach, wobei vor allem der schwache Wochenstart nachwirkte.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Ölpreis. Die Nordseesorte Brent schwankt um die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, nachdem sie zu Wochenbeginn noch in der Spitze auf fast 120 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen war. Der Iran droht mit weiteren Angriffen auf die Öl- und Gas-Infrastruktur der Golfregion und hat bereits Öltanker im Persischen Golf attackiert. Die teilweise geschlossene Straße von Hormus, eine der wichtigsten Routen für den globalen Öltransport, schürt die Sorge, dass ein länger anhaltender Engpass die Weltwirtschaft zusätzlich belasten könnte.
Analysten warnen, dass die Kombination aus hohen Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit die Märkte in Richtung eines Stagflationsszenarios treiben könnte – also eines Umfelds, in dem das Wachstum stagniert, während die Inflation anzieht. Emmanuel Cau, Aktienstratege bei Barclays, verweist darauf, dass die Aktienmärkte bisher weniger stark korrigiert haben als in früheren Ölpreisschocks. Viele Investoren setzten weiterhin auf einen sogenannten „Trump-Put“ – die Erwartung, dass der US-Präsident bei stärkeren Marktverwerfungen gegensteuern würde. Gleichwohl nehme die Nervosität täglich zu, je länger die Lage an der Straße von Hormus angespannt bleibe.
Politische und regulatorische Signale im Energiesektor sorgen zusätzlich für Bewegung. Marktteilnehmer diskutierten die Entscheidung der USA, Ländern vorübergehend den Kauf von russischem Öl zu erlauben, das sich bereits auf Schiffen befindet. Parallel dazu berichtete die „Financial Times“, Frankreich und Italien sollten das Gespräch mit Teheran suchen, um eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu erreichen. An den Aktienmärkten litten zuletzt vor allem Banktitel unter den Stagflationssorgen, konnten sich zum Wochenschluss aber teilweise stabilisieren. Rüstungstitel verzeichneten derweil wieder steigende Nachfrage, da Anleger in einem von geopolitischen Spannungen geprägten Umfeld verstärkt auf Verteidigungswerte setzen.
Mit Blick auf die kommende Woche richten sich die Blicke der Investoren nun auf die Zinsentscheidungen der großen Notenbanken. Die Entwicklung der Energiepreise bleibt für Konjunktur- und Inflationsausblick zentral: Eine erneute Eskalation im Nahen Osten könnte den Ölpreis rasch wieder nach oben treiben und die geldpolitischen Spielräume zusätzlich verengen, während eine Entspannung an der Straße von Hormus den Märkten Luft verschaffen würde.

Österreich verschärft im Kampf gegen stark schwankende Spritpreise die seit Jahren bestehende Regulierung an den Tankstellen. Preise für Benzin und Diesel dürfen ab sofort nur noch dreimal pro Woche – am Montag, Mittwoch und Freitag jeweils um 12 Uhr – angehoben werden. Preissenkungen bleiben weiterhin jederzeit möglich. Die Bundesregierung in Wien reagiert damit auf zuletzt deutlich gestiegene Preise infolge des Krieges im Iran und verspricht sich von der neuen Taktung weniger ausgeprägte Preisspitzen.
Bislang war es Tankstellen in der Alpenrepublik erlaubt, die Preise einmal pro Tag zu erhöhen. Dieses System gilt seit rund 15 Jahren vor allem als Transparenzmaßnahme: Autofahrer sollen mit weniger Zeitdruck Preise vergleichen können. Nun zieht die Regierung die Schraube weiter an. Parallel dazu will auch die deutsche Bundesregierung das bisherige österreichische Einmal-pro-Tag-Modell übernehmen, um den Preisanstieg an deutschen Zapfsäulen zu bremsen. Berlin kündigte an, dieses System so rasch wie möglich einzuführen.
Die jüngsten Preisausschläge zeigen, warum das Thema politisch brisant ist. Nach Beobachtungen des Verkehrsclubs ÖAMTC kletterten die Spritpreise an einem Montag in Österreich um 12 Uhr bei einzelnen Tankstellen um bis zu 14 Cent je Liter. Im Raum Salzburg kostete der Liter Super rund 1,75 Euro, Diesel lag knapp unter zwei Euro. Dass Kraftstoff in Österreich dennoch günstiger ist als in Deutschland, führen Beobachter auf die niedrigere Mineralölsteuer zurück – nicht auf die Taktung der Preiserhöhungen.
Der ÖAMTC stellt der neuen Maßnahme ein skeptisches Zeugnis aus. „Wir sehen in diesem Vorschlag kein Potenzial für eine unmittelbare und nachhaltige Entlastung“, sagte Verkehrswirtschaftsexperte Martin Grasslober. Aus Sicht des Mobilitätsclubs dient der Schritt eher zur Beruhigung der öffentlichen Debatte. Zudem befürchtet der Verband, dass sich die Preissprünge künftig auf die erlaubten Erhöhungstage konzentrieren und dort sogar stärker ausfallen könnten. Positiv bewertet der Club, dass die neue Regelung zunächst nur auf einen Monat befristet ist.
Wie effektiv das striktere Regime tatsächlich Preisspitzen glättet, bleibt damit offen. Klar ist: Die Regierung setzt stärker auf Regulierung von Preiszeitpunkten als auf direkte Eingriffe in die Steuer- oder Abgabenstruktur. Für Konsumenten bedeutet das neue System vorerst mehr Planbarkeit, aber nicht zwingend niedrigere Preise. Märkte und Politik werden genau beobachten, ob sich das Ziel gedämpfter Preisschwankungen an der Zapfsäule in der kurzen Testphase erreichen lässt – oder ob die Tankstellenbetreiber die starren Zeitfenster nutzen, um die Preissprünge lediglich zu bündeln.