
Der Wiener Aktienmarkt hat zur Wochenmitte erneut fester tendiert. Der Leitindex ATX gewann im Verlauf 0,95 Prozent auf 6.061,55 Punkte, der breiter gefasste ATX Prime rückte um 0,84 Prozent auf 2.992,29 Zähler vor. Auch an den wichtigsten europäischen Börsen überwogen Aufschläge. Von der US-Seite kamen indes kaum Impulse: Die jüngst veröffentlichte Handelsbilanz entsprach weitgehend den Erwartungen, das Defizit verringerte sich im April leicht, nachdem die Exporte ein Rekordniveau erreicht hatten.
Stützend wirkten an den Märkten Signale einer Entspannung im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump stellte den Abschluss einer Vereinbarung zur Beendigung des Iran-Kriegs in den nächsten Tagen in Aussicht. Man befinde sich in den „letzten Zügen“ eines nach seinen Worten sehr guten Abkommens. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu erklärte zudem, die Angriffe auf den Iran seien eingestellt worden. Marktteilnehmer bleiben dennoch vorsichtig, da beide Seiten für den Fall von Vertragsverstößen mit härteren Kämpfen drohten.
Im ATX Prime setzten sich einmal mehr AT&S an die Spitze. Die Aktien des Leiterplatten- und Halbleiterspezialisten stiegen im Tagesverlauf um 4,8 Prozent, nachdem sie bereits am Vortag mit einem Plus von 4,2 Prozent zu den stärksten Werten gezählt hatten. Seit Jahresbeginn summiert sich das Kursplus auf 353 Prozent. Auf der Verliererseite notierten in einer anderen Handelssession Frequentis mit einem Minus von 4,0 Prozent sowie Kapsch TrafficCom, die am Nachmittag ebenfalls 4,0 Prozent einbüßten. Die ex-Dividende gehandelten Papiere des Flughafen Wien standen zusätzlich unter Druck.
Deutlich freundlicher präsentierten sich die Finanzwerte. Die Erste Group avancierte mit Kursgewinnen von rund 1,9 Prozent auf etwa 102,80 bis 102,90 Euro zu einem der stärksten Titel im Leitindex. Rückenwind kam von einer Studie der Deutschen Bank: Die Analysten bestätigten ihre Kaufempfehlung „Buy“ und beließen das Kursziel bei 121 Euro. Die Aktie sei weiterhin attraktiv bewertet, hieß es. Auch die übrigen Schwergewichte aus dem Bankensektor zeigten sich überwiegend fester: BAWAG legte je nach Betrachtungszeitpunkt um 1,3 bis 1,7 Prozent zu, während Raiffeisen Bank International zwischenzeitlich 0,4 Prozent zulegte, in einer anderen Session jedoch 0,8 Prozent abgab.
Versicherungswerte verbuchten ebenfalls solide Zuwächse. Vienna Insurance kletterte im Tagesverlauf um bis zu 3,0 Prozent, in einer anderen Sitzung um 1,7 Prozent. Uniqa gewann zwischen 1,4 und 1,5 Prozent. Belastet wurde der Markt hingegen von Kursverlusten beim Öl- und Gaskonzern OMV, dessen Anteilscheine im Sog sinkender Ölpreise zwischen 0,7 und 1,2 Prozent nachgaben. Am Vienna Global Market konnten die Titel des Kupferunternehmens Asta Energy Solution zulegen; sie gewannen 2,36 Prozent auf 69,40 Euro.

Asfinag und ÖAMTC kombinieren emotionale Bewusstseinsbildung mit neuer Technologie, um den „Arbeitsplatz Straße“ sicherer zu machen. Unter dem Slogan „Danke, dass du auf meine Mama/meinen Papa aufpasst“ starten die Organisationen eine gemeinsame Kampagne, bei der die Kinder der Mitarbeitenden als Botschafter auftreten. Hintergrund sind mehrere schwere Unglücke mit Autobahn-Personal: Im Jahr 2025 war Asfinag-Personal in sechs Unfälle auf Autobahnen involviert, einer davon endete tödlich. Parallel zu der Kampagne wird in Österreich ein KI-basiertes Warnsystem im Live-Betrieb getestet.
Die Dimension des Problems ist erheblich. Laut Daten von Statistik Austria und ÖAMTC kam es 2025 zu insgesamt 2.137 Unfällen mit Personenschaden auf Autobahnen und Schnellstraßen, 45 davon verliefen tödlich. Als häufigste Ursachen gelten Unachtsamkeit und Ablenkung. Eine IFES-Umfrage zeigt, wie verbreitet riskantes Verhalten ist: Ein Drittel der Befragten gibt an, während der Fahrt Handy-Nachrichten zu lesen oder zu schreiben, die Hälfte bedient Navi oder Radio. Unter den unter 30-Jährigen räumen 60 Prozent ein, schon einmal während der Fahrt ein Video aufgenommen zu haben.
Das neue KI-System zielt darauf ab, die Arbeit von Straßenkolonnen unter fließendem Verkehr besser abzusichern. Auf Sicherungsfahrzeugen oder Warnleitanhängern montierte Kameras erfassen Fahrzeuge in rund 300 Metern Entfernung. Die Künstliche Intelligenz analysiert daraufhin den Fahrweg der herannahenden Fahrzeuge und löst bei Kollisionsgefahr Warnungen aus: Die Person am Steuer wird mit einem Hupsignal aufmerksam gemacht, während Straßenarbeiter ein kleines Gerät am Körper tragen, das im Gefahrenfall vibriert. Diese wenigen zusätzlichen Sekunden sollen reichen, um sich aus der Gefahrenzone zurückzuziehen.
Derzeit sind fünf Kameras im Einsatz, weitere 21 Kollisionswarner werden angeschafft. Der Testbetrieb läuft bis Jahresende, anschließend soll über eine flächendeckende Einführung entschieden werden. Auch der ÖAMTC erprobt die Technologie im praktischen Alltag: Elf Fahrzeuge des Clubs wurden mit dem System ausgerüstet, sie werden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland getestet. Die Kombination aus KI-gestützter Früherkennung und einer breit angelegten Kampagne gegen Ablenkung am Steuer soll das Risiko für Verkehrspersonal senken – und zugleich Fahrerinnen und Fahrer stärker für die Konsequenzen ihres Verhaltens sensibilisieren.